|
|
 |
Tarot - Historie
|
|

|
|
Die Namen
Taraux und Tarocchi erscheinen erstmals im Jahre 1505
parallel sowohl in Frankreich als auch in Ferrara, Italien.
Erklärungen für die Herkunft des Wortes sind schon in großer Anzahl
unterschiedlich versucht worden, bisher konnte keine von ihnen
überzeugen. So wies angeblich der französische Gelehrte Wilhelm
Postel im 16. Jahrhundert darauf hin, dass die vier Buchstaben
T-A-R-O auf einer Kreislinie geschrieben ein Endloswort ergeben:
T-A-R-O-T. Starten wir bei R, erhalten wir R-O-T-A, was entweder
lateinisch Rad heißt oder auch der Begriff für das höchste römische
Gericht in der katholischen Kirche (römische Kurie) ist, welches ein
ordentliches päpstliches Gericht für Berufungen in kirchlichen
Prozessen darstellt und sich vorwiegend mit Ehesachen beschäftigt
(nach dem Rad-Mosaik des Sitzungssaales). Entgegengesetzt der Lesrichtung ergeben sich die
Worte T-O-R-A, welches das heilige Buch unter anderem im Judentum
ist oder O-R-A-T, was für die Glaubensrichtlinie der christlichen
Religionen steht (lat.: er/sie/es betet). |
|
TAROT |

|
TORA |
|
ROTA |
ORAT |
|
Weit vor
1505 sind jedoch schon sehr viele Tarotkarten und Tarot-ähnliche
Kompositionen entweder als tatsächliche Spielkartenblätter oder
durch Dokumente belegt - nur die Bezeichnung „Tarot“ fehlte.
Stattdessen wurde der Begriff „Trionfi“ benutzt (in
unterschiedlichen Formen - triumphi, ludus triumphorum etc.).
Die älteste Benutzung des Wortes „Trionfi“ in Zusammenhang mit
Spielkarten ist für Februar 1442 in Ferrara belegt, als der Maler
Sagramoro Geld für die Produktion von vier Trionfi-Blättern empfing.
Ein anderes früheres Dokument vom 1. Januar 1441 benutzt den
Ausdruck „Trionfi“ noch nicht, es scheint sich beim produzierten
Gegenstand (Sagramoro ist wieder der Maler) aber um 14 spezielle
Karten zu handeln, die „Trionfi-Karten-Charakter“ haben. Im Oktober
1441 wird eine Trionfi-Karten-Produktion zu einer Hochzeit vermutet
- diese Karten haben sich teilweise erhalten (67 Karten) und
befinden sich heute im Cary-Yale-Museum (als Visconti di Modrone
oder Cary-Yale-Tarocchi bezeichnet). Es hatte - soweit
erkennbar - nur teilweise Trumpf-Motive, die im sogenannten
Standard-Tarot benutzt werden und es wich von der Standard-Struktur
ab (es gab zusätzliche Hofkarten, weibliche Pagen und weibliche
Ritter). Aus spezifischen Gründen wird vermutet, dass dieses Spiel
eine 5x16-Struktur hatte. |
|
 |
|
In allen
dieser frühen Erwähnungen und noch vorhandenen Produkte (1424/1425
und 1441/1442) ist entweder der Mailänder Herzog Filippo Maria
Visconti (1392 - 1447) verwickelt oder dessen Tochter Bianca Maria,
die im Winter 1440/1441 zu einem 1/2-Jahres-Besuch in Ferrara weilte
und anscheinend die Spiel- und Gestaltungs-Idee nach dorthin
transportierte.
Nach diesen frühen Erwähnungen folgen weitere Dokument-Notizen zu
Trionfi-Spielen erst im Jahre 1450 und kurz darauf, dann aber
gehäuft und gleich an mehreren Orten parallel (aus diesem
Zusammenhang kann vermutet werden, das das eigentliche Tarotspiel in
diesen beiden fürstlichen Familien - Este in Ferrara und Visconti in
Mailand - seinen Anfang fand). |
|
|
|
1450 wird
es für Mailand, Ferrara und Florenz erwähnt und im Jahre 1452 in
Siena. Im gleichen Jahr zeigt Sigismondo Malatesta (Rimini)
Interesse an einer Trionfikarten-Produktion in Cremona. Ein
überliefertes Spiel, das sogenannte Pierpont-Morgan-Bergamo-Tarocchi
(auch Visconti-Sforza-Tarocchi) wird diesem Jahr 1452 zugeordnet und
es diente lange als Argument, dass das Tarotspiel jetzt nun
vollständig sei. In der Komposition fehlen nur 4 Karten insgesamt
und von 22 Sonderkarten nur 2 - man nahm an, dass 4 Karten verloren
gingen (Von den Originalen befinden sich 35 in der Pierpont-Morgan
Library, 26 in der Accademia Carrara, 13 in der privaten Sammlung
der Familie Colleoni in Bergamo (Der Teufel, der Turm, die Drei der
Schwerter und der Ritter der Münzen fehlen). |
|
|
|
Der
Schritt zum Spiel mit 22 Trumpfkarten, dem heutigen Standard-Spiel
mit Turm und Teufel wird für die Periode 1460-1470 vermutet.
Vermutlich erst in dieser späten Periode fand das Spiel zur
Massenproduktion, eine Entwicklung, die die zunehmende Verbreitung
von Druck- und Vervielfältigungstechniken in dieser Zeit in Italien
begleitete. Im Zeitraum 1490-1510 entwickelte sich in Lyon
(Frankreich) eine erfolgreiche Spielkarten-Export-Struktur, das
Tarot als Spiel nahm an dieser Entwicklung teil. |
|
|
|
Tarot
(Tarock, Tarocchi) als Spiel wurde ein international verbreitetes
Erfolgsprodukt im 18. Jahrhundert, das Interesse ließ im 19.
Jahrhundert wieder nach. Umso erfolgreicher wurde die Benutzung als
Wahrsageinstrument, die Ende des 18. Jahrh. einsetzte und ihre
höchste Blüte in der Jetztzeit hat. |
|
|
|
Die
schriftliche esoterische Tradition der Tarot-Karten beginnt erst
1781, als Antoine Court de Gébelin, ein Schweizer Geistlicher und
Freimaurer, das Buch Le monde primitif, anlyse et comprare avec
le monde moderne veröffentlichte; eine populäre Abhandlung über
religiöse Symbole und ihres modernen Gebrauchs. Gébelin wies als
erster auf die Symbole des Marseiller Tarots hin, die er als Zeichen
der Mysterien der ägyptischen Gottheiten Isis und Thot deutete.
Beweise dafür konnte die Ägyptologie nicht liefern, dennoch ist
diese Theorie auch heute noch weit verbreitet. |
|
 |
|
Einflussreicher war die „Entdeckung“ des Tarots durch
okkultistisch-esoterische Gesellschaften, die in der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts in den westlichen Nationen entstanden. Vor
allem Eliphas Lévi in seinem 1854 veröffentlichten Werk Dogme et
Rituel de la Haute Magie (dt.: Transcendentale Magie)
sowie der von ihm beeinflusste Hermetic Order of the Golden Dawn
(Hermetischer Orden der goldenen Morgenröte; im Folgenden Golden
Dawn) haben maßgeblich zur Verbreitung des Tarots als
Deutungssystem beigetragen. Insbesondere im Golden Dawn wurde viel
Wert auf den Tarot als Werkzeug der Selbsterkenntnis gelegt. Eine
rein divinatorische Nutzung des Tarots lehnten beide ab. |
|
 |
|
Auf Levi
geht auch maßgeblich die Zusammenführung des Tarots mit Elementen
der Kabbala und den vier Elementen der Alchemie zurück. Gébelins
Idee des ägyptischen Ursprungs des Tarots behalten sowohl Levi als
auch der Golden Dawn bei.
Innerhalb des Golden Dawns war das Tarotdeck von Oswald Wirth (1889)
sehr einflussreich; dieses Deck enthält nur die großen Arkana. Es
beruht auf dem Marseille-Tarot, erweitert diesen aber um
kabbalistische und esoterische Symbole. Sowohl Arthur Edward Waite
als auch Aleister Crowley waren Mitglieder des Golden Dawn.
Der Aspekt des Tarot als Initiationsweg wurde erstmal im Golden Dawn
intensiv betont und lässt sich zum Beispiel an Hand des
Rider-Waite-Tarot studieren (zu den einzelnen Decks siehe unten).
Noch stärker tritt er beim Crowley-Thoth-Tarot zu Tage, das
deutliche Bezüge zum Ordo Templi Orientis (OTO) aufweist. Crowley
weist im Buch Thoth darauf hin, Teile der Symbolik könnten
nur durch OTO-Mitglieder bestimmter Grade erfasst werden. |
|
 |
|
|
|